Irene Andessner – Madonna del Arte

Irene Andessner - Madonna del Arte

ARTLOFT VIENNA – Brunnhofer Galerie
1030 Wien, Obere Weissgerberstraße 5

Eröffnung: 4. November 2010, 18.00 – 21.00 Uhr
Dauer bis 27. November 2010

Öffnungszeiten: DO / FR  14.00 – 18.00  / SA 10.00-14.00

Madonna del Arte (Virgen del Arte), 2007/2008In Malaga gibt es über 40 Madonnen mit unterschiedlichem Aussehen (Gesicht und Kleidung) und eigenen Namen bzw. Patronanzen. Neben direkten Kreuzwegbezügen enthalten die Namen auch christliche Themen mit profanem Doppelsinn. So gibt es Schutzheilige für Not, Sorge, Hoffnung, Gnade, Demut, Liebe, Wohltätigkeit und Nächstenliebe, für Himmelssterne, Morgenrot und Abendmahl, (Opfer)Blut, Fieber, und Gesundheit, Frieden, Zeit(begrenztheit), Einsamkeit, Reichtum, Recht, Rettung, oder für Zigeuner, Gefangene und Berufsgruppen. In der Karwoche (Semana Santa) werden die Marienstatuen auf prächtig dekorierten und illuminierten Tragebühnen (Tronos) im Trommeltakt wippend aus den Kirchen und durch die Straßen getragen – in Malaga wie in weiteren iberischen und lateinamerikanischen Städten.

Nach langer abendländischer Verknüpfung von Kunst und Religion haben die Künstler seit der Renaissance ihre Motive und Themen säkularisiert und profanisiert, ihre Arbeit vom Auftrag getrennt und ihr Werk schließlich entauratisiert, während in der katholischen Praxis die Stelle der Schirmherrin für die Kunst vakant geblieben ist. Deshalb definiert Irene Andessner die von ihr vermisste, speziell den Künsten gewidmete Marienfigur: Madonna del Arte (span. Virgen del Arte). Ihr Rollenportrait zeigt eine Figur, die auf den ersten Blick dem traditionellen Erscheinungsbild der Marienfiguren entsprechen. Gesicht und Hände wirken wie Wachs, Kleid, Schleier und Krone sind prächtig, entlarven sich jedoch bei genauer Betrachtung als Verpackungsmaterialien von Kunstspeditionen: Packdecken und Packseide, Noppenfolie, Gurte und Klebebänder, Kartonkanten und Holzklammern – fotografiert in der Werkstatt des MUMOK – Museums Moderner Kunst Wien.

Vor dem Hintergrund, dass Muttergottheiten als Vorläufer der christlich-katholischen Marienriten schon seit der Jungsteinzeit in vielen Kulturkreisen existieren, betrachtet Andessner ihre Madonnenversion als eine säkularisierte Schutzbeauftragte in Abgrenzung vom mit „unbefleckter Empfängnis“ stigmatisierten Jungfrauenmodell. Die scheinbare Wiederannäherung von Kunst und Kirche ist also nur eine unheilige Allianz im Kleid einer katholischen Prozession und die bildende Kunst ein Medium zum Nachtrag eines bisher kirchlich-gesellschaftlich ignorierten Schutzkomplexes.

Die Werkgruppe „Madonna del Arte“ umfasst neben fotografischen Rollenportraits auch eine Performance mit einer „Anrufungsaktion“ (per Handy), an der sich Künstlerkollegen und Performance-Besucher als Devotionalienüberbringer beteiligen können.

Realisierte Arbeiten:

Raumbildprojektion, Original-Polaroidfotografien 8 x 10 Inch und 4 x 5 Inch sowie Lambda C-Prints von fünf Portraiteinstellungen