M+M: “Sunday Monday” in der Baukunst Galerie Köln

Mit “Sunday Monday” zeigt die Baukunst Galerie die dritte große Einzelausstellung des Künstlerduos M+M (Marc Weis und Martin De Mattia). Im Fokus stehen neben asymmetrischen Fotomontagen die beiden Videoarbeiten “Sonntag” und “Montag”, die den Beginn einer “Sieben-Tage-Reihe” darstellen.

Das Projekt dieser “Sieben-Tage-Reihe” basiert auf der Idee einer Film-Serie und bezieht sich jeweils auf Schlüsselszenen und -dialoge aus Kultfilmen, die von M+M neu inszeniert und produziert werden. Jedem Wochentag ist ein Film zugeordnet, der in Form einer Zweikanal-Videoinstallation gezeigt wird.
Der Schauspieler Christoph Luser spielt in allen Filmen mit, während die anderen Rollen immer wieder neu besetzt werden. Auf diese Weise bildet die gleichbleibende Besetzung der Hauptrolle den roten Faden dieser durch Wechsel und Variation gekennzeichneten Serie.

Die Videoinstallation “Montag” nimmt Stanley Kubriks “The Shining” (1980) zum Ausgangspunkt. Durch gezielte close-ups und steigende Spannung im Dialog erzeugt die anfangs alltäglich wirkende Szene beim Betrachter ein Gefühl der Beunruhigung. “Sonntag” bezieht sich auf die Eingangsszene in Jean-Luc Godards “Le Mépris” (1963) und zeigt ein in wochenendlicher Langeweile auf dem Bett liegendes Liebespaar, dem gewissermaßen als Spannung erzeugender Kontrapunkt die Projektion eines Vaters mit seiner Tochter, wie auch schon in “Montag”, entgegengestellt wird.
Durch die Verwendung zweier exakt gleicher Szenen mit verschiedenen Paarungen, Mann-Frau und Vater-Tochter, werden Fragen nach der komplexen Rolle des Mannes in der Familie thematisiert und die Möglichkeiten und Grenzen männlicher Identität ausgelotet.
In beiden Doppelinszenierungen entsteht durch die analoge Rhythmik von Sprache und Bild eine befremdliche, auf den Zuschauer beklemmend wirkende Atmosphäre. Der Inhalt des jeweils anderen Films bewirkt, dass die steigende Spannung automatisch auf den Mann bzw. die Frau oder das Kind übertragen wird. Die Interpretation der Szenen wird dem Betrachter überlassen. Gewalt, Inzest oder Pädophilie werden zwar nicht inszeniert, können aber als Assoziation entstehen. Durch das Offenhalten der Situation und den “Loop” werden Raum und Zeit nicht greifbar und verlieren sich in Diskontinuität.

Aus den gerade entstehenden Filmen “Samstag” (“Saturday Night Fever”) und “Donnerstag” (“Franziskus”) sind in der Ausstellung Fotoarbeiten zu sehen, die aus zwei Filmstills asymmetrisch montiert wurden. Der Charakter der Collage wird verwischt, erst bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, wo die Bilder zusammengefügt sind. Darüber hinaus werden Fotomontagen aus “Sonntag” und “Montag” sowie aus der Vierkanalinstallation “Schlagende Wetter” gezeigt, die für das Ausstellungsprojekt EMSCHERKUNST.2010 geschaffen wurde. Der Ausdruck “Schlagende Wetter” stammt aus der Bergmannssprache: Er bezeichnet die explosive Reaktion von Luft und Grubengas und wird hier zur Metapher für zwischenmenschliche Spannungen. So zieht sich das Thema der psychologischen Verdichtung von Emotionen, die sich im ständigen Wandel befinden, durch alle Arbeiten der Ausstellung.

Die neuen Fotoarbeiten (250 x 130 cm und 120 x 160 cm) weisen monumentale Formate auf, die an Traumsequenzen erinnern. Durch neue Darstellungs- und Produktionsformen stellen sie eine Nähe zum Geschehen her, die es in vorangegangenen Arbeiten nicht gab. M+M beziehen den Betrachter emotional in ihre Filme und Fotografien mit ein. Die Auseinandersetzung mit der Zeit spielt dabei eine wichtige Rolle; sie wird in den Videoarbeiten als sukzessive Abfolge synchroner Abläufe, in den Fotomontagen als Zeitbilder der Gleichzeitigkeit dargestellt.

2006 vergab die Villa Aurora M+M im Rahmen des Artist-in-Residence Programms ein Stipendium für einen dreimonatigen Arbeitsaufenthalt in Los Angeles. Dem war 2002 ein USA-Stipendium des Bayerischen Staates, 1998-99 ein Stipendium der Villa Massimo in Rom und 1997 die Auszeichnung mit dem Bayerischen Staatsförderpreis vorangegangen. Darüber hinaus erhielten M+M 2008 eine Gastprofessur an der Peter Behrens School of Architecture in Düsseldorf, 2001-02 eine Dozentur an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich und ein Jahr zuvor eine Gastprofessur an der Kunstakademie in München. Die Arbeiten des Künstlerduos wurden bereits in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen präsentiert, u.a. im Italienischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, ZKM Karlsruhe, Folkwang Museum Essen, Pergamon Museum Berlin, Sprengelmuseum Hannover, Kunstmuseum Bern, Museum Ludwig Köln und Musée d‘ Art Contemporain Montreal.

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