Jean-Pierre Schmid

Magazin für Kunst und Kultur ISSN 1661-6154

“Trans-Art” Manifest von Jean-Pierre Schmid

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Jean-Pierre Schmid "Trans-Art"

Jean-Pierre Schmid "Trans-Art"

TRANS-ART (ein Manifest)

Die Arbeit über den TRANS-ART Begriff wurde 1984 von J.-P. Schmid konzipiert. Die Bildtafeln sind im selben Jahr in der Galerie M. Spleiss in Zürich zum ersten Mal gezeigt worden. Der Ansatz wird in Kurzform erstmals hier vorgestellt.
Die TRANS-ART stellt die Vielfalt des Begriffs TRANS- dar, deren Anwendbarkeit ausserordentlich vielschichtig ist.

1. TRANS- (lat.) in Bezug auf Wortzusammensetzung bedeutet “über”, hinüber, jenseits”.
2. transeut- (lat.) = darüber hinausgehend, übergehend in einen anderen Bereich.
3. tranist (lat.) = Durchgang, Durchfuhr.
4. transparent (lat.) = durchscheinend, durchsichtig.
5. Transparenz (lat.) = Durchsichtigkeit, Lichtdurchlässigkeit.

6. Transzendenz (nlat.) = der philosophische Begriff bezeichnet die Überschreitung der Grenze zwischen zwei Gebieten, besonders das Hinausgehen über die Grenzen der Erfahrung und des Bewusstseins. Auch das Ziel, bzw. den Gegenstand dieses Hinausgehens, nennt man Transzendenz und man versteht darunter das Übersinnliche,
das Absolute.

7. Transzentral (nlat.) = hinüberschreitend, ausserhalb der Erfahrung. Kant Bedingungen des menschlichen Bewusstsein befasst (Raum, zeit, Kausalität u.a.) und a priori, d.h. vor der zufälligen Erfahrung, im Wesen des Erkennenden vorhanden ist. NSB, Universal Lexikon Kant: die Zeit ist eine Anschauungsform des Inneren Sinnes.

Jean-Pier Schmid "Trans-Art"

Jean-Pier Schmid "Trans-Art"

TRANS-ART (Jean-Pierre Schmid):
Wir haben es mit der lateinischen Vorsilbe TRANS, mit der Bedeutung hindurch, quer, durch, hinüber, jenseits;
über hinaus z.B. “transzendent” und dem lateinischen ART-Artes = Freie Künste  – zu tun.

TRANS-ART… trans, transparent, transzendent…

Diese Begriffe werden im zeitgenössischen Sprachgebrauch häufig verwendet. Transparenz verweist auf einen materiellen Zustand – nämlich Licht – und bedeutet “luftdurchlässig sein”.

Welche Aussagemöglichkeit der TRANS-ART ist in einem Kunstwerk zu entdecken? Im Aufbau eines Bildgefüges werden Formenelemente zielgerichtet verwendet zur Erzeugung von Transparenz, mittels ihrer transparenten Flächen, ihrer schwebenden lichtdurchlässigen Objekte, durch Zusammenziehen von Vorder-, Mittel- und Hintergrund, unterstützt durch undurchsichtige, kontrastierende Farben. Die Bildtafeln werden mit verschiedenen, räumlichen Lagen, mit Durchsichtigkeit ausgestattet, diese einander überschneidenden, durchdringenden, überlagernden Ebenen überwinden Raum- und Zeitfixierungen. Es ist der Aufbau einer Ganzheit ineinandergreifender Teile. Übergänge wie stabil zu bewegt, Fläche zu Volumen, Ortsgebundenheit zu Flucht, von formgeschlossenen Kuben zur Auflösung von Grenzen. Diese Durchstösse und Verwandlungen von Materie in Kraftfelder stehen in den Bildern unter dem Begriff TRANS-ART.
Das hier in Farbe und Form manifest ist – Bewegung und Verwandlung, im ewigen Wandel begriffen, eine Stille unbestimmter Dauer, eine Spannung, die zahllose Spannungen in sich trägt, ruhige und wilde Strömungen und Gegenströmungen, Chaos und schwebende Transzendenz, enthält alle diese Elemente, die ihr Eigenleben haben, aber erst durch ihre Konstellationen wird ihr Zusammenwirken offenbar. Erstarrte, schlanke Kuben und Türme spreizen ihren Bauleib, sind erfasst von der Kraft der Sturmwirbel, der Luftströme, der Druckluft, der unfassbaren Kraft aus dem Untergrund. Ihre Gefüge und Körper sind in Bewegung, werden aufgerissen, geschleudert, stürzen zusammen, stossen sich selbst, prallen zusammen, formieren das Chaos nach den Gesetzen der herrschenden Kraft. Die Linien als skelettartige Gitterstrukturen, die verschieden gefärbten freskoähnlichen Schichten, die Flächen aus zermahlenem, rotem Stein drängen sich in das Zentrum hinein, durch das Zentrum hindurch oder vom Zentrum heraus.
Sie bringen das TRANS in eine grosse Unruhe – vom äusseren Eindruck beherrscht, in eine grosse Ruhe -  dem inneren Klang gehorchend. Sie objektivieren den Vorgang. Das strahlende Wirken der Zentren steigert das innere Spannungsfeld, belebt den Seelenzustand. Sie lassen das transzendente Erlebnis unterbrechen, aber auch durchbrechen. Sie bringen alle sich widersprechenden Elemente in ein inneres Gleichgewicht.

Quelle: Beitrag von Nelli & Jean-Pierre Schmid zur neu gegründeten Gruppe Trans-Art
Veröffentlichung: Die Quelle, Internationale Künstlergruppe,
Jung-Verlag GmbH (ISBN 3-921231-10-8)

Written by admin

February 25th, 2012 at 8:50 pm

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