Werkzyklus Tuchbruch Colliprint
Colliprint
Die vorliegende Wortfindung Colliprint setzt sich aus den Silben Col li print zusammen.
- Col = Collage (französisch coller, kleben) Kompositionen aus geklebten Schnipseln von diversen Druck – und Fotoerzeugnissen übermalt und überzeichnet
- li = Licht Der ImagOn Film (Polymerfilm) ist ein UV-Licht empfindlicher und blau eingefärbter Film für den Tiefdruck, der in der Dunkelkammer auf eine Kupferplatte auflaminiert und belichtet wird.
- print = drucken Der Arbeitsvorgang, der darin besteht, dass die Druckplatte eingefärbt, das Papier oder ein anderer Druckträger aufgelegt, die Platte in einer Presse unter Druck gebracht und das Papier von der Druckplatte wieder abgenommen wird.
Gedanken zum Tuchbruch Tuch
Tuch war für mich in den Jahren 1967 bis 1971 bereits ein zentrales Thema, als ich in einer Textilfabrik den Beruf des Maschinenzeichners erlernte.
Tuch, Gewebe, ist in unserem menschlichen Leben so integriert, dass es als anthropologisches Merkmal gilt. Es ist eine einfache Tatsache, dass wir an keinem Tag unseres Lebens einen Blick in die Welt tun können, ohne dass er auf Gewebe fällt, dass Gewebe uns berührt und begleitet von der ersten bis zur letzten Stunde unseres Erdendaseins.
Die Breite seiner Anwendung reicht von der einfachsten Bedürftigkeit bis zum duftigsten „petit rien“, von der Bekleidung bis zum alltäglichsten Gebrauchsgegenstand, vom Schleier bis zur Wagenplane, vom Möbelstoff bis zur Ausstattung der Astronauten. Jede Jahreszeit, jede Altersstufe, jeder Beruf und jede Freizeitbeschäftigung verlangt ihr besonderes Gewebe. Fortwährend schaffen soziale, wirtschaftliche und politische Veränderungen neue Bedürfnisse.
Tuch, Gewebe steht für Festigkeit, Tragfähigkeit. Tuch verbirgt, umhüllt, beschützt. Neue Fasern überdecken die Welt. Glasfasern verbinden, begrenzen die Welt.
Bruch
Bruch ist in meinem Leben auch als Bruch mit der Tätigkeit als Maschinenzeichner zu verstehen. Der Abbruch der beruflichen Arbeit als Maschinenzeichner bedeutete für mich damals als junger Mensch einen wesentlichen Umbruch einerseits, aber auch einen mutigen Aufbruch in meine bis heute währende künstlerische Tätigkeit andererseits.
Brüche legen frei und bilden so gesehen die Grundlage für Weiterentwicklung, für Veränderung. – Veränderung ist Leben.
Eindrücke von meinen ausgedehnten Exkursionen in heimatlichen und fremden Erdstreifen, in zum Teil endlos scheinenden Steinwüsten auf Hochebenen zwischen Bergketten verdichten sich in collagierten Blättern des Tuchbruchs.
Von Tuch überdeckte, umspannte Landschaft verändert sich. Ich will aber nicht die veränderte Landschaft zeigen, sondern die Veränderung an sich für den Betrachter sichtbar, erfahrbar machen. Die verdeckte und brechende Erde spiegelt die Seele auf ihrer unsichtbaren Wanderung in uns selbst in einer Welt als Sollbruchstelle.
(c) 2010, Jean-Pierre Schmid
www.laconicum.ch